Es ist Samstagmittag, dies bedeutet zugleich, dass meine 1. Woche in Peking nun fast hinter mir liegt!
Die Woche war geprägt von den ersten Eindrücken der Stadt und natürlich dem Start meines Praktikums bei Volkswagen Group China (VGC).
Am Montag hatte ich noch frei und habe die Zeit genutzt, um einen ersten tieferen Eindruck von der Stadt zu bekommen. Dazu haben Anja und ich beschlossen in das Zentrum zu fahren und uns den Platz des himmlischen Friedens anzuschauen. Auf dem Weg zum Tian'namen sind wir auch durch das Botschaftsviertel gewandert, um uns anzuschauen, wo wir denn arbeiten werden.
Es ist lustig in dieses Viertel einztreten, da es auf einmal richtig ruhig wird mangels riesiger Durchfahrtstsraße und lärmabschirmender Bäume am Straßenrand. Gleichzeitig verursacht die Präsenz von unzähligen Wachen vor und um die Botschaften herum ein etwas merkwürdiges Gefühl. Dies wird verstärkt durch die Art des Wachwechsel, den wir später auch noch mitbekommen haben: Dazu marschiert ein Trupp Soldaten oder Polizisten in Zweierreihen den gehweg entlang und man macht besser schleunigst Platz, wenn man sich keinen Ärger einhandeln will...
Ach ja, neben VGC haben wir auch der deutschen Botschaft einen Besuch abgestattet, die in unmittelbarer Nachbarschaft ist und zu unserem Erstaunen festgestellt, dass dies das einzige Vertreteung war, bei der Chinesen Schlange stehen. Ob es daran liegt, dass die BRD ein so begehrtes Ziel ist oder schlicht am besonders langen und umständlichen Visaprozedere konnten wir noch nicht klären.
Der Weg in die Innenstadt hat uns nochmal gezeigt, welche Dimensionen hier Standard sind: Was auf der Karte ganz nah aussieht erfordert in Wirklichkeit einen 15 minütigen Fußmarsch! Nachdem wir die Metro-Station erreicht hatten, haben wir mit Freuden festgestellt, dass das Preissystem hier deutlich einfacher als in Aachen, Köln oder Zürich gestaltet ist: Eine Fahrt kostet 2 Yuan und man kann solange fahren wie man möchte wenn man die Stationen nicht verlässt. Dazu fahren die Bahnen alle paar Minuten, einfach Top! Ach ja, wenn man Platzangst hat ist dieses Transportmittel nicht zu empfehlen ;-)
Tian'namen ist von den Ausmaßen her gigantisch: Umsäumt von Riesenbauten und trotz großer Touristenströme wirkt der Platz nicht überfüllt. Auf der Nordseite liegt der Eingang zur verbotenen Stadt, die wir uns aus Zeitmangel allerdings nicht mehr angeschaut haben. Stattdessen sind wir in die kleineneren Straßen neben dem Platz abgebogen und haben uns die noch verbliebenen typischen Pekinger Häuser angeschaut.
Nach einem Marsch über die Haupteinkaufsstraße Wangfujing und einer leckeren aber verdammt scharfen Nudelpfanne haben wir uns dann wieder auf den Heimweg gemacht, da wir ja fit sein wollten für den ersten Arbeitstag. Dabei haben wir festgestellt, dass an der Dongsanhuan Beilu anscheinend ganzjährig eine Art Weihnachtsbeleuchtung vorzufinden ist :-)
Mein Tag bei VGC hat mit einem Besuch der HR und IT-ABteilung angefangen, bevor mir mein "Würfel" im Großraumbüro zugeteilt wurde. Wie schon einmal erwähnt, bin ich der Gruppe Program&Capacity Planning in der Abteilung Production Logistics zugeordnet. Ziel der Gruppe ist es basierend auf den Absatzprognosen der Sales und Marketing Abteilung für die nächsten 10 Jahre eine Kapazitätsplanung vorzunehmen. Dies bedeutet zu evaluieren, wo und in welchem Umfang Autos und Komponenten gefertigt werden müssen und dies mit der Nachfrage abzugleichen. Reichen die Kapazitäten nicht aus, müssen entsprechende neue Fabriken geplant werden. Verknüpft mit einem Investitionsplan wird das Ganze als Entscheidungsvorlage an den Vorstand von VGC und VW weitergeben. Beeindruckend ist, welche Dimensionen der chinesische Markt hat: Momentan setzt allein VW hier 2 Mio Autos ab, während der gesamte deutsche Markt ca 3 Mio Autos aufnimmt! Folglich werden auch in der strategischen Logistikplanung für ich neue Zahlengrößen (nämlich Einheit Tausend oder Mio) verwendet. Leider war mein Gruppenchef und meine Abteilungsleiterin am 1. Tag krank, so dass mich mein Vorgänger in alle wichtigen Dinge eingeführt hat. Da er aber auch ein sympatischer Zeitgenosse ist (Wirt Ing, was sonst ;-), macht die Zusammenarbeit viel Spaß. Allgemein kämpfe ich noch mit den unzähligen Abkürzungen und versuche die Prozesse zu verstehen, die hinter allem stecken, aber ich bin zuversichtlich dies bald geschafft zu haben. Auf jeden Fall warten hier viele spannende Aufgaben auf mich und ich denke, dass meine Erwartungen an das Praktikum erfüllt werden.
Am Donnerstag hatten wir dann eine Vorstellungsrunde aller Praktikanten und Diplomanden: Momentan sind wir ca 60 Leute, wobei der Großteil aus deutschsprachigen Ländern kommt. Es gibt aber auch einige chinesische Studenten unter uns. Die schiere Anzahl der Praktikanten verspricht viele Anreize gegen Langeweile nach Feierabend und am Wochenende :-) In deisem Rahmen habe ich übrigens auch erfahren, dass ich am Montag in meine WG zu all den anderen Praktis ziehen werde. Ich bin gespannt, was mich dort erwartet. Mehr dazu im nächsten Blogeintrag. Bis dahin wünsche ich euch noch ein schönes Wochenende und an alle die es betrifft: Vill Spaß beem Fastellovend fiere!
Beijing Allaf, Kölle Allaf, VGC Allaf!
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