Montag, 28. März 2011

Viel erlebt


In den vergangenen zwei Wochen seit meinem letzten Blogeintrag hat sich einiges Berichtenswertes ereignet, hier schon einmal eine Vorschau auf die Highlights: Besuch der verbotenen Stadt, Ausflug zu den Tempeln von Chengde, Wandertour im Lingshan Mountain Resort, ersten Chinesisch-Stunden, Konzert von Paul Kalkbrenner, Internsparty von VGC.
Ach ja, dein einer meinen beiden Mitbewohner (leider) schon ausgezogen ist, habe ich die Chance ergriffen und bin in sein Zimmer umgezogen, was ein wenig größer ist. Highlight für mich persönlich ist noch nicht einmal der größere Platz, sondern die Verdoppelung der Fensterfläche! Fotos davon gibt’s aber erst nächstes Mal, da hier momentan noch ein wenig Chaos herrscht. Zum Ausgleich noch Eindrücke aus der Lobby:

Wie angekündigt, hatte ich nach Abgabe meiner Studienarbeit endlich Zeit voll ins Beijing-Leben einzutauchen. Aufgrund der langen Arbeitszeiten hält sich der Raum für touristische Aktivitäten unter der Woche in Grenzen, weshalb der Fokus hier eher auf geselligem Abendessen und ab und zu einer zünftigen Afterworkparty liegt ;-)
Dafür versuche ich am Wochenende so viel wie möglich zu unternehmen, was mich am vorletzten Wochenende (19./20. März) dazu getrieben hat am Samstag die verbotene Stadt anzuschauen und am Sonntag relativ spontan an einem Ausflug nach Chengde teilzunehmen.

Die verbotene Stadt grenzt, wie wahrscheinlich die meisten wissen, direkt an die Nordseite des Platz des himmlischen Friedens an und war über Jahrhunderte hinweg für die meisten Normalsterblichen nicht zugänglich. Eintreten durften hochrangige Militärs, ausländische Würdenträger, Minister und natürlich der Kaiser samt Hofstaat. Man kann sich vorstellen, dass dazu eine ziemlich gute Abschirmung erforderlich ist, weshalb es neben einem großen Wassergraben auch etliche Mauern gibt, die die verbotene Stadt umranden. Der Haupteingang ist führt genau durch das Tor des himmlischen Friedens hindurch, welches mit dem ebenfalls vielen bekannten Mao-Porträt behangen ist und dem gesamten Platz seinen Namen gegeben hat (chin: Tiananmen).


Hat man es geschafft sich durch die Menschenmengen durchzukämpfen gilt es noch zwei weitere Tore zu passieren (in diesem Teil der Stadt wohnen heute u.a. eine große Zahl an Wachsoldaten, die Basketball scheinbar nicht ganz abgeneigt sind), bevor man an den Teil der verbotenen Stadt kommt, für den es Eintrittskarten braucht. Größtes Hindernis neben dem Auffinden des Ticketschalters hierbei: All den „guides“ ausweichen, die einem Touren zur „Great Wall“ anbieten wollen oder sonst irgend einen Nippes, natürlich für einen „special price“. Da es einem wirklich auf Dauer auf die Nerven geht habe ich am Ende immer nur noch auf Deutsch geantwortet und mich des kölschen Grundgesetz bedient („wulle ma nit, brooche ma nit, fott domit“), was zur Erheiterung meiner Begleiter beigetragen hat.

Im Inneren der Forbidden City, die im wesentlichen aus Tempeln und Zeremonienhallen verschiedener Klassen besteht, fällt einem immer wieder ins Auge, wie reich verziert die einzelnen Gebäude sind, welchen Aufwand der Unterhalt dieser Holzbauten wohl benötigt und über welche Details sich die Bauherren damals bereits Gedanken gemacht haben. Ein klasse Beispiel ist in meinen Augen das Aufstellen von über 200 großen Kupferbottiche, die stets mit Wasser gefüllt waren, damit im Falles eines Feuerausbruchs schnell gelöscht werden konnte. Damit das Wasser im hier ziemlich kalten Winter nicht einfriert, waren alle Bottiche mit Feuerstellen versehen, die zur kalten Jahreszeit dauerhaft entzündet waren.







Die ziemliche große Anzahl an Touristen hat einem leider die Möglichkeit genommen sich die Szenerie zu Kaisers Zeiten noch etwas realistischer vorzustellen, wo es auf diesem 1 Mio qm großen Gelände ziemlich ruhig gewesen sein muss. Andererseits verbleiben trotz der Besuchermassen immer noch große freie Flächen wenn man sich ein paar Meter von den Gebäuden entfernt, was dann doch wenigstens einen guten Eindruck von der Größe des Stadt vermittelt. Zum Abschluss haben wir uns die kaiserlichen Gärten angeschaut, die ihre ganze Pracht leider erst später im Jahr entfalten. Evtl also ein Grund noch einmal hierher zu kommen...Generell sollte sich jeder Peking-Tourist einmal in die verbotene Stadt begeben: Die benötigen 3h sind auf jeden Fall äußerst kurzweilig und ein Besuch eigentlich Pflicht!





Nach einem kurzen Besuch beim Schneider um meine Bestellungen abzuholen (maßgeschneiderte Anzüge sind klasse, zumal wenn man nur ca 85 € dafür ausgeben muss :-) und einem Besuch in einem der unzähligen kleinen Restaurants in der Nähe der Landmark Towers bin ich dann bald im Bett verschwunden, um für den Ausflug am nächsten Tag fit zu sein. Es ging nämlich bereits um 7:30 Uhr los (2,5h Fahrt, u.a. vorbei an Abschnitten der großen Mauer), was meines Erachtens für sonntags verdammt früh ist! Ziel war die Stadt Chengde, die ca 250 km nordöstlich von Peking entfernt liegt und einst als Sommerresidenz von den Kaisern auserkoren wurde, um der berüchtigten Pekinger Hitze zu entfliehen (hoffentlich muss ich nicht ähnliche Maßnahmen ergreifen...). Sowohl der Palast als auch die ihn umgebenden 8 Tempel sind mittlerweile UNESCO-Weltkulturerbe und erstrecken sich auf einer Fläche von ca 600 Hektar! Da wir von anderen Praktikanten gehört hatten, dass der Palast und die umgebenden Parkanlagen zu dieser Jahreszeit noch nicht so ansehnlich sind haben wir uns dazu entschieden direkt zu den Tempeln zu fahren.



Die Tempel wurden mit dem Ziel erbaut den Gästen des Kaisers, die aus allen Teilen Chinas anreisten, auch eine spirituelle Unterkunft zu gewähren, weshalb verschiedene Tempeltypen für die unterschiedlichen Religionsgruppen vorzufinden sind. Angefangen haben wir mit dem etwas kleineren Puren Tempel, der die nette Eigenschaft aufwies quasi leer zu sein abgesehen von unserer 10köpfigen Reisegruppe. Dank des Besuchs am Vortag in der verbotenen Stadt konnte ich bereits einige Muster und Symbole wiedererkennen und auch einordnen. Besonders interessant für mich war die Ausstellung verschiedener Buddha-Statuen aus ganz China, die einen Eindruck davon vermittelt haben, das es nicht einen Buddha gibt, sondern ganz verschiedene, abhängig von der jeweiligen Religionsrichtung. Fotos sind im inneren der Tempel leider nicht möglich, weshalb ihr euch bei Interesse im Internet einen Eindruck von der Thematik machen müsst.






Neben den Gebäuden selbst war die Stille in der Anlage etwas wirklich tolles, da man in Peking zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Grundgeräuschpegel hat, der es z. B. unmöglich macht Vogelgezwitscher zu hören.
Der als nächstes besuchte Tempel chinesischer Prägung mit vielen tibetischen Einflüssen ist der vielleicht spektakulärste der gesamten acht Stück. Zunächst ist der Puning Tempel ziemlich groß und die reich verzierten Gebäude werden von Lama-Mönchen in äußerst gutem Zustand gehalten. Dementsprechend fanden sich hier auch deutlich mehr (chinesische) Besucher, allerdings im Vergleich zum Vortag wirklich vernachlässigbar.




Highlight der Tempelanlage ist eine 22m hohe Statue der buddhistischen Guanyin Göttin, die die höchste ihrer Art auf der ganzen Welt darstellt. Die von zwei Wächtern (Mann und Frau) bewachte Statue ist wirklich beeindruckend: Man sieht zunächst nur die Füße und fragt sich was man da eigentlich vor sich hat, bevor man den Kopf hebt und in luftiger Höhe den restlichen Körper erblickt nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben. Man kann sich leicht vorstellen, dass auch das Gebäude selbst ziemlich hoch und schön gestaltet ist...




Nach einem leckeren Mittagessen stand zum Abschluss der ebenfalls beeindruckende Putuozongcheng Tempel auf dem Programm, der ein ziemlich genaues Abbild des Potala-Palast in Lhasa/Tibet darstellt. Das rote Hauptgebäude ist weithin sichtbar und thront auf einer Anhöhe, die man zunächst hinaufwandern muss. In der Anlage kann man beinahe alle Symbole und Gegenstände wiederfinden, die für den tibetischen Glauben typisch sind: Gebetsmühlen, flatternde bunte Wimpel, Amitabha Buddha Statuen.





Es war irgendwie ein merkwürdiges Gefühl durch ein Gelände zu laufen und Gebäude anzuschauen, die man eigentlich ein paar tausend Kilometer weiter westlich weiß. Dies tat dem beeindruckenden Charakter der Anlage keinen Abbruch und stellt für mich in der Retrospektive auch den Tempel dar, den ich besonders stark mit diesem Ausflug verbinde.





Da sich dieser Blogeintrag nun schon eine Weile hinzieht, werde ich die Berichte über die Wanderung zum Gipfel des Langshan und der Partys auf das nächste Mal vertagen. Auf mich wartet jetzt noch mein Chinesisch Buch: Vokabeln lernen habe ich noch nie gemocht! Brr!

Ich wünsche euch eine schöne Woche und weiterhin so schönes Frühlingswetter, wie mir aus der Heimat berichtet wurde.

Wan’an (chin: Gute Nacht)

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